Öffentliche Auftraggeber müssen das Vergaberecht als Rahmenbedingung akzeptieren, dessen Regelwerk immer komplizierter wird. Ich habe in der Praxis beobachten müssen, dass sich die vergaberechtliche Optimierung oft verselbständigt: das Vermeiden einer Anfechtung wird wichtiger als der Erfolg des Vorhabens. Das Happy-End ist aber nicht der bestandsfeste Zuschlag, sondern der erfolgreiche Go-Live, oft Jahre danach. Kein Wunder, dass die Ursache für einen problematischen Projektverlauf fälschlicherweise oft nicht einem suboptimalen Vergabeprojekt zugeschrieben wird.

Auf Anregung von Dr. Philip Weihs (consigma) habe ich gemeinsam mit ihm und Dr. Georg Zellhofer von Schramm Öhler Rechtsanwälte ein Prozessmodell für IKT-Vergaben entwickelt, das aus der Perspektive des Gesamterfolges die rechtlichen und IKT-spezifischen Erfordernisse integriert. Hier die oberste Ebene, in der die Phasen und Prozessgruppen definiert sind. Darunter (hier nicht dargestellt) gibt es dann noch die Prozessebene und die Aktivitätsebene.

prozessmodell_uebersicht

Den Prozessen sind die relevanten Bestimmungen des Vergabegesetzes zugeordnet, Erfolgsfaktoren sowie die jeweiligen Prozessergebnisse sind definiert.

Dass so ein Modell ein nützlicher Zugang ist, bewies das rege Interesse an einem Workshop, den wir angeboten haben; es musste ein Zusatztermin eingeschoben werden, weil es doppelt so viele Anmeldungen gab, als Kapazität vorhanden war.