Im Rahmen der letzten e-Health-Konferenz der ADV am 18.4.2012 hat der Bereichsleiter Finanzen der Geschäftsgruppe Gesundheit und Soziales des Wiener Magistrats, Mag. Richard Gauss, einen Vortrag zum Thema „Das Zusammenspiel von öffentlicher und privater Finanzierung am Beispiel e-Health“ gehalten. Seine Aussagen sind ausdrücklich eine rein private Meinungsäußerung. Ich finde diese so wichtig und interessant, dass ich einen Auszug aus dem Vortrag hier zitieren möchte:

Grundversorgung wird immer solidarisch finanziert werden und muss für die gesamte Bevölkerung gesichert sein. Ein steigender Anteil neuer diagnostischer und therapeutischer Methoden wird jedoch (zunächst) privat bezahlt werden müssen. Aufwendungen für Gesundheit werden mehr und mehr zu einer Konsumausgabe und andere Ausgaben verdrängen – etwas weniger Urlaub, ein etwas kleineres Häuschen oder kein zweites Auto. Bei weitem nicht alle, aber durchaus beträchtliche Teile der Bevölkerung sind finanziell durchaus in der Lage, Konsumausgaben entsprechend zu verschieben.

Das klingt zunächst wenig solidarisch. Aber: Grundsätzlich ermöglichen immer privat zahlende Erstnutzer die Finanzierung von Innovation. Nach einigen Jahren treten die bei jeder industriellen Produktion bekannten Lern- und Skaleneffekte auf, Preise sinken. Innovation wird dadurch für jedermann erschwinglich – siehe Airbag im Auto.

Es wird nicht als ungerecht empfunden, dass finanzstarke Besitzer teurer Autos (zunächst) über bessere Sicherheitssysteme und damit größere Überlebenschancen verfügen als Fahrer gebrauchter Kleinwägen.

Zu bedenken ist auch: Nicht jede Innovation bedeutet tatsächlich eine Verbesserung der Behandlung. Es ist daher vertretbar, dass Innovationen mit unsicherem Nutzen nicht von vornherein ungeprüft von der Solidargemeinschaft sondern privat finanziert werden. Anfänglich private Finanzierung wird dazu führen, dass Innovationen, die sich bewähren, nach und nach auch in privater und gesetzlicher KV eingeführt werden.

Trotzdem muss es Ziel bleiben, möglichst viele Innovationen einer möglichst breiten Bevölkerung zugänglich zu machen. Dies entspricht dem Solidargedanken, trägt durch bessere Erhaltung von Arbeitskraft und Humankapital zum Wachstum bei und sichert erforderliche Absatzmärkte für die gesundheitsnahen Branchen.

Meine Meinung: In einer paradiesischen Welt kann man sich das nochmals anders wünschen, aber in einer Welt begrenzter Ressourcen wird man das wohl als beste Lösung oder wenigstens als geringstes Übel akzeptieren müssen. Das Streben nach unerreichbaren Idealen kann dazu führen, dass man auch das Mögliche nicht erreicht.